Wie handelt das St. Bernhard-Hospital in der Pandemie?

In zwei Tagen vom Isolationszimmer zur Isolationsstation


2020

Am 12. März 2020 fand die erste Corona-Krisensitzung statt und einen Tag später wurden die erweiterten Sicherheits- und Hygienemaßnahmen an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekannt gegeben. In dieser ersten von über 40 Mitteilungen (innerhalb 52 Wochen) wurden bereits die ersten Sicherheits- und Hygienemaßnahmen vorgestellt wie zum Beispiel das Besuchsverbot und der angepasste Patientenlauf, um Patienten mit Verdacht auf COVID-19 isoliert zu untersuchen. Vier Tage später, am Dienstag den 17. März 2020 veröffentlichten wir die neuen Vorgaben und angepassten Abläufe gemäß der Empfehlungen unserer Task-Force, unseres externen Krankenhaushygienikers und des Robert-Koch-Institutes. Das Robert-Koch-Institut und der externe Krankenhaushygieniker sind unsere stetigen Berater während der Pandemie. Die Task-Force bestehend aus Vertretern der Pflege und Ärzte, Geschäftsführung, Hygienebeauftragten und Qualitätsmanager trifft sich mindestens wöchentlich und situationsbedingt auch mehrmals die Woche oder sogar täglich um direkt auf aktuelle Geschehnisse zu reagieren.

Am 17. März 2020 wurde unser erstes Isolationszimmer eingerichtet, wobei nur zwei Tage später bereits eine ganze Station zum Isolationsbereich vorbereitet wurde. Inzwischen wurde das Konzept erweitert und das Café für Patienten geschlossen, interne Fortbildungen abgesagt sowie der kassenärztliche Notdienst verlegt. Bereits zwei Wochen vor unserem ersten Corona-Patienten organisierten wir zusätzliche Laborfahrten, richteten die Behelfsklinik in Absprache mit dem Landkreis im alten Gymnasium ein und stellten ein freiwilliges Team für die Corona-Isolationsstation zusammen. Es folgte, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Haupteingang mittels Temperaturmessung und Befragung der Symptome gescreent wurden. Die Einlasskontrolle wurde zunächst von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus unterschiedlichen Bereichen der Pflege durchgeführt und später von einem festen Team übernommen. Für die Isolationsbereiche wurden Wände gezogen, Schutzausrüstung gekauft und spezielles Personal ausgebildet. Außerdem wurden im Vorfeld nicht-intensivmedizinische Pflegekräfte für die Intensivstation geschult, um bei Bedarf die Intensivstation zu unterstützen. Das feste Team auf der Isolationsstation wurde ebenfalls auf Corona-Patienten vorbereitet.

Am 09. April 2020 hatten wir dann unseren ersten Patienten mit SARS-COV-2 auf unserer Isolationsstation, getrennt von allen anderen Patienten und behandelt von einem speziellen Team. Seit dem haben wir innerhalb eines Jahres über 100 Corona-Patienten behandelt, zum Teil auf der Isolationsstation und zum Teil im Isolationsbereich auf der Intensivstation. Ende Mai sind die Corona-Infektionszahlen regional und national gesunken, sodass wir Besucher mit einem ausgefüllten Passierschein und Temperaturmessung zulassen konnten. Bis dahin ist die ganz große „Corona-Welle“ in der Wesermarsch ausgeblieben. Man konnte quasi Werbung für einen „coronafreien Landkreis“ machen. Im Sommer wurden daher einige Regeln wieder gelockert. Dennoch haben wir Corona nicht aus den Augen verloren und im August die prästationären Corona-Tests eingeführt, sodass jeder Patient, der stationär aufgenommen werden sollte, im Vorfeld einen PCR-Test machen musste, dessen Ergebnis nicht älter als 48 Stunden sein durfte. Die Durchführung dieser Tests hält bis heute an.
Im Sommer haben wir aus anderen Branchen oder von speziellen Personen viel Zuspruch bekommen. Wir haben Schutzausrüstung, selbst gemalte Bilder von Kindern, Lebensmittel und vieles mehr gespendet bekommen. Für diese Spenden sind wir überaus dankbar.

Mitte August stiegen die Corona-Infektionszahlen national wieder an. Wir entschieden uns die Regeln zu verschärfen und ein erneutes Besuchsverbot auszusprechen, welches bis Mitte September anhielt. Anfang Oktober haben wir die Maskenpflicht gemäß den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes angepasst und ausschließlich den medizinischen Mund-Nasen-Schutz zugelassen. Anschließend waren unter bestimmten Voraussetzungen bis Ende Oktober wieder Besuche zulässig.

Seit dem 02. November 2020 haben wir national und im Landkreis Wesermarsch stetig hohe Infektionszahlen, sodass wir unsere Regeln erneut und umgehend angepasst haben. Seitdem stieg die Anzahl stationär behandelter Corona-Patienten nach und nach an. Bis zum Jahresende hatten wir vergleichsweise wenige stationäre Patienten mit COVID-19.


2021

Im ersten Quartal 2021 hatte uns COVID-19 fest im Griff und prägte den Krankenhausalltag. Die hohe Inzidenzzahl in der Wesermarsch spiegelte auch die sehr hohe Anzahl zu behandelnder Corona-Patienten in unserem Krankenhaus wieder. Für die Größe unseres Hauses haben wir enorme Anstrengungen unternommen, um der sehr anspruchsvollen Versorgung der Patienten gerecht zu werden. Die Maskenpflicht wurde unmittelbar auf eine FFP2-Maskenpflicht erweitert.

Am 04. Januar 2021 schien uns ein „Licht am Ende des Tunnels“, denn wir erfragten bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Impfbereitschaft. Der Anteil der impfbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überwog von Anfang an, mittlerweile würden sich über 85 % der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter impfen lassen. Insgesamt haben bis Ende März 202 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mindestens die erste Impfdosis erhalten.

Seit 08. Januar 2021 führen wir wöchentliche PCR-Tests beim Personal durch. Zusätzlich werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Isolationsbereiche mehrmals die Woche mittels Schnelltest vor Dienstbeginn getestet. Alle Patientinnen und Patienten werden ebenfalls vor oder bei der Aufnahme (je nach geplanter Aufnahme oder Notfall) und alle sieben Tage, bei Symptomen sowie vor der Entlassung mit Überweisung in eine spezielle Einrichtung von uns getestet.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben in den letzten Monaten viel gelernt und geben unter den besonders herausfordernden Bedingungen – FFP2-Maske während des Dienstes, Pausen ohne Maske alleine, permanentes Umziehen, schwere Patientenverläufe, psychische Belastung, jeden Tag ihr Bestes für die Patientinnen und Patienten.

Wir für die Gesundheit in der Wesermarsch.